Wussten Sie schon?

Kurioses und Wissenswertes über Altötting.

Vom richtigen Bauplatz der Basilika
Die Basilika St. Anna ist der größte deutsche Kirchenbau des 20. Jahrhunderts und für die Altöttinger Wallfahrtsseelsorge unverzichtbar. Als Gottesdienstraum und auch als Veranstaltungsort leistet dieser Bau seit seiner Fertigstellung 1912 wertvolle Dienste. Dabei war seine Planung alles andere als unumstritten.
Nach den 300-Jahr-Feierlichkeiten der Marianischen Männerkongregation 1899 keimte in Altötting der Wunsch nach einem großen Versammlungsraum auf. Verschiedenste Optionen und Bauplätze wurden daraufhin in den nächsten Jahren ins Auge gefasst und wieder verworfen. So gab es Überlegungen, den Kongregationssaal abzureißen und durch einen größeren Bau, der auch den heutigen Papst-Benedikt-Platz und seine angrenzenden Gebäude umfassen sollte, zu ersetzen. Auch eine Verlängerung des Kongregationssaales nach hinten in den Klostergarten wurde erwogen.
Alternativ brachte man den damals letzten freien Bauplatz am Kapellplatz ins Spiel, der aber dann durch den Rathaus-Neubau 1908 belegt wurde. Auch ein Ersatzbau anstelle der heutigen Berufsfachschule für Musik in Richtung der später errichteten Kreuzweganlage wurde kurzzeitig diskutiert, ebenso ein freies Grundstück zwischen der Schlotthamer, Rupertus- und der damals noch nicht vorhandenen Bahnhofsstraße.
Letztendlich fiel die Wahl auf das jetzige Grundstück jenseits des Mörnbachs, was in der Stadt eine heftige Diskussion hervorrief. Die Gegner befanden den Bauplatz als zu weit abgelegen und befürchteten gleichzeitig, dass ein „neues Geschäftsviertel“ entstehen könnte, das den Devotionalienläden am Kapellplatz Konkurrenz machen würde. Der Streit wurde mit Hilfe kurioser Mittel ausgetragen, nämlich durch gedruckte Broschüren, die in der Stadt verteilt wurden. Es begann mit einer Rede des Guardians des St. Anna-Kloster Pater Joseph Anton Kessler am 7. Februar 1909, die anschließend unter dem Titel „Warum eine neue Kirche in Altötting?“ in Druck gegeben wurde. Die Gegner des Kirchenbaus reagierten daraufhin mit ihrem Heftlein mit dem Titel „Ist der Bau einer Wallfahrts-Kirche wirklich eine Notwendigkeit für Altötting?“. Bald darauf gab es die befürwortende Schrift „Eine wirkliche Antwort auf die Frage „Ist der Bau einer Wallfahrts-Kirche wirklich eine Notwendigkeit für Altötting?““. Die ablehnende Reaktion ließ nicht lange auf sich warten und hieß „Eine richtige Antwort auf die „wirkliche Antwort“ in der Kirchenbaufrage.“
Kaum auszumalen, wenn es damals schon Facebook oder Twitter gegeben hätte, die Kontrahenten hätten die ganze Welt an ihren Streitigkeiten teilnehmen lassen können!
Christian Haringer

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